(The Kingdom)

Genre: Thriller
Trailer: http://www.imdb.com/video/imdb/vi3115385113/
Erst kürzlich hatte ich Peter Bergs aktuellen Film „Hancock“ gesehen und war sehr angetan davon. Peter Berg verfügt über ein großes Talent, eine Geschichte ansprechend zu inszenieren und er bewegt sich dabei auf dem aktuell vorherrschenden Stil, der vielleicht nicht ganz so meinen Geschmack trifft. Dennoch gefielen mir bisher alle gesehenen Streifen von ihm und da er vor „Hancock“, „The Kingdom“ inszenierte, wollte ich mir diesen nicht entgehen lassen.
Riad, Saudi-Arabien: Bei einem Anschlag auf eine amerikanische Wohnsiedlung werden mehr als 100 Menschen getötet, darunter auch Special Agent Manner von einer Elite-Einheit des FBI. Obwohl das FBI offiziell nicht in Saudi-Arabien ermitteln darf, gelingt es Special Agent Ronald Fleury (Jamie Foxx), mit einem Trick eine Genehmigung für fünf Tage Aufenthalt in Riad zu erhalten.
Doch die Untersuchungen vor Ort gestalten sich für Fleury und sein Team (u.a. Chris Cooper und Jennifer Garner) schwierig: Sie dürfen sich nur sehr eingeschränkt bewegen, keine Beweise sichern und stehen unter ständiger Aufsicht des saudischen Polizeioffiziers Al-Ghazi (Ashraf Barhom). Erst als sie gegen den Widerstand sowohl von saudischer als auch amerikanischer Seite erste kleine Erfolge erzielen, überwindet Al-Ghazi seine Skepsis und beginnt, Fleury zu unterstützen… (Quelle: ofdb)
In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Operation: Kingdom“. Es ist eine Co-Produktion zwischen den USA und Deutschland und wurde natürlich vornehmlich in Amerika gedreht, aber auch in den Vereinigten arabischen Emiraten, mit einem Budget von 80 Millionen Dollar.
Ich weiß nicht was Peter Berg oder die Verantwortlichen hinter diesem Projekt dazu bewogen hat ein solches Thema anzufassen. Wahrscheinlich weil es so aktuell ist, wahrscheinlich aber auch um den eigenen Leuten Mut zu machen, oder aber auch um sich solidarisch mit einem anderen Volk zu zeigen, dessen Machtkämpfe man nach den Aussagen in der Vergangenheit offenbar gefördert und beeinflusst hat. Steckt in diesem Film Propaganda drinnen? Keine Ahnung, doch ich denke die Amis wollen sich hier mal wieder gut fühlen, weil sie doch so erfahren sind in ermittlerischen Dingen und in Sachen Humanität. Aber wir wissen ja, Kinofilme zeigen nicht die Realität und wer mit diesem Hintergedanken an „Operation: Kingdom“ herangeht, der wird sicher gut unterhalten werden.
Den Einstieg in den Film gestaltet Regisseur Peter Berg sehr ansprechend und auch entsprechend, denn man bekommt die Hintergründe im Vorspann, anhand eines geschichtlichen Rückblickes präsentiert. Man weiß dann worum sich der Film drehen wird. Der normale Mensch denkt bei dem angesprochenen Land eigentlich immer an Selbstmordattentate und chaosartige Zustände. Wer so etwas denkt, der wird nach den ersten Filmminuten bestätigt, wenn sich ein Bombenanschlag von beispielloser Hinterlist abspielt. Das ruft natürlich die guten Jungs des FBI auf den Plan und so macht es Jamie Foxx („Miami Vice“, „Stealth“) möglich, mit seinem Team bestehend aus Jennifer Garner („Alias“, „Elektra“), Chris Cooper („Syriana“, „Die Bourne Identität“) und Jason Bateman („Hancock“) nach Riad zu reisen um dort die Ermittlungen aufzunehmen und die Verantwortlichen ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Doch dies ist ja gar nicht so einfach, denn man wird mit einer anderen Kultur konfrontiert, mit einer anderen Mentalität und anderen Gepflogenheiten. So haben die vier es anfangs recht schwer, doch als beide Seiten merken, dass sie das gleiche Ziel verfolgen schmilzt das Eis und bald schon zieht man am gleichen Strang und arbeitet sogar miteinander. Es war den Verantwortlichen offensichtlich sehr wichtig beide Seiten als fühlende Menschen zu zeigen, die das Herz am rechten Fleck haben und in ihren Heimen, geliebte Familien. Eine solche Sichtweise war man normal nicht gewohnt. Der Araber wurde nicht selten als bösartiger, durchtriebener Mensch dargestellt, so wie seinerzeit die Indianer. Trotz Gemeinsamkeiten, man befindet sich in einem Land, in dem das Chaos zu herrschen scheint und hinter jeder Ecke der Feind mit einer tödlichen Waffe lauert. Peter Berg hält dies immer allgegenwärtig und so zieht sich diese Bedrohung wie ein Faden durch den Film und ist der Zuschauer immer auf das schlimmste gefasst. Jedenfalls arbeiten die beiden Kulturen weiter in gegenseitigem Verständnis zusammen und man merkt, es sind mal wieder die Amerikaner, die auf die Anderen zugehen und sich als die ach so tollen Menschen ausweisen. So geht der Film dahin und präsentiert dem Zuschauer eine ganz interessante Krimi- bzw. Thrillergeschichte, in der Beweismittel aufgenommen werden und sich nach und nach ein Bild der Hintermänner herauskristallisiert. Natürlich sind es militante Extremisten, die gegen die Amerikaner sind und in Osama Bin Ladens Gesinnung kämpfen.
Meint der Zuschauer, es könnte nicht spannender werden, als der Aufdeckung dieses Fakts beizuwohnen, so belehrt uns Regisseur Peter Berg eines besseren. Die letzten 30 Minuten sind schweiß treibende Spannung mit viel Geballer und richtig gut gemachter Action. Natürlich sind die Araber wieder die Leid tragenden, aber wenigstens kriegen die Bösewichte ihr Fett weg. Am Ende meint man es geht wieder so aus wie immer, tut es auf eine Art ja auch. Doch erneut zeigt man uns etwas interessantes, nämlich, dass man so gleich ist und doch so weit voneinander entfernt. Das hat mich beeindruckt und es war ein schöner Schluss, eines Filmes, der unterhaltsam ist, wenn er auch in die Klischeekiste greift.
Mit dem visuellen Stil von Peter Berg komme ich nicht in Gänze zurecht. In der heutigen Zeit ist es üblich einen Film in winzig kleine Stückchen zu zerschneiden. Alle paar Sekunden und auch Zehntelsekunden, ein Schnitt und das die ganze Zeit über. Da kann man echt zuviel bekommen. Hinzu kommt eine ständig wackelnde Kamera, die wohl einen subtilen Blick darstellen soll, also den Realismus fördern. Dem guten Zusammenspiel von Schnitt, Kamera und Regisseur ist es zu verdanken, dass ich keine Kopfschmerzen bekommen habe. Es wird alles Wichtige eingefangen und auch so, dass man die Indizien präsentiert bekommt und seine Schlüsse daraus ziehen kann, beim Mitraten also nicht ausgegrenzt wird. Man möchte ja auch was zu tun haben und kombinieren dürfen, und sich nicht bloß fragen, wie die das herausgefunden haben.
Die Wackelkamera und der Rasantschnitt sind in den Actionszenen wohl nicht am schönsten, doch man verliert nicht die Übersicht und kann alles schön mitverfolgen. Da es in diesen Szenen heiß hergeht, fehlt es auch nicht am nötigen Blutgehalt. Peter Berg schwelgt aber keineswegs in Orgien, sondern bringt nur soviel ein, wie es für die Geschichte notwendig ist. Einen finalen Kampf mit einem Bösewicht, verfolgt man dann mit leuchtenden Augen und der Regisseur bringt uns nicht um den Spaß. In diesem Fight darf Jennifer Garner mal so richtig Hand anlegen. Leider ist das eine ihrer wenigen Szenen im Film, denn sie ist nicht viel mehr als schmückendes Beiwerk.
Optisch ist „Operation: Kingdom“ auf dem derzeit aktuellen Niveau. Dem, was alle jungen Leute so anspricht. Hinsichtlich der akustischen Kulisse gilt gleiches.
Danny Elfman war der Komponist und er macht seine Sache gut. Den optisch sehr ansprechend und auch kunstvoll gestalteten Vorspann untermalt er mit eintönigen Klängen, lässt im Verlauf des Filmes aber immer wieder melodisches aufblitzen und ist in den letzten Minuten sanft und nachdenklich. Sicher ist der Score nichts herausragendes, doch er spricht an und ist vor allem entsprechend.
Zusammenfassend kann ich sagen, Peter Berg hat einmal mehr unter Beweis gestellt, dass er ein exzellenter Regisseur ist, mit einem guten Gespür für visuelle Gestaltung und großer Kompetenz und Vermögen die Techniken der Zeit entsprechend zu nutzen. Berg absolviert übrigens erneut einen Kurzauftritt. Man kann ihn im anfänglichen Meeting beim FBI sehen, wo er sich einmal sogar zu Wort meldet. Das finde ich sehr witzig, dass er sich in seinen Filmen so zeigt, wie Alfred Hitchcock. M. Night Shyamalan macht dies ja genau so und ich finde es spannend ihn in seinen Filmen zu entdecken.
Jedenfalls wurde ich mit „Operation: Kingdom“ sehr kurzweilig unterhalten. Ein spannender Thriller mit einem brisanten Thema, das die Amis natürlich wieder super dastehen lässt (naja vielleicht nicht ganz so super). In der zweiten Hälfte gibt es einiges an Action und das rettet vor ein klein wenig Langeweile. Die Darsteller werden nicht wirklich gefordert, doch das stört angesichts der Genreausrichtung eh nicht. Schön finde ich es, dass die Araber mal nicht nur als Bomben bastelnde Unmenschen gezeigt werden.
Wertung:

