Rezension: Gruselkabinett - 64 - Der schreiende Schädel

Neongrüne Riesenspinnen jagen Frankensteins Monster durch Draculas Schloß!
Antworten
Benutzeravatar
MonsterAsyl
Administrator
Administrator
Beiträge: 4416
Registriert: Do 29.05.2003, 00:04
Wohnort: Der Schädelberg

Rezension: Gruselkabinett - 64 - Der schreiende Schädel

Beitrag von MonsterAsyl »

Bild

Gruselkabinett - 64 - Der schreiende Schädel

Zum Inhalt:
Der pensionierte Kapitän Charles Braddock erbt das Haus seines Freundes Dr. Luke Pratt. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch zu dem Anwesen gehört leider auch ein unheimlicher Mitbewohner. In seiner Not wendet sich der Kapitän an seinen alten Weggefährten James und bittet ihn um einen Besuch.


Zur Produktion:
Der ursprüngliche Autor Francis Marion Crawford(1854-1909) ist für Fans der Reihe Gruselkabinett kein Unbekannter mehr, denn bereits Folge 34 (Die obere Koje) basiert auf einer Erzählung des Amerikaners. Die vorliegende Kurzgeschichte entstand erst ein Jahr vor dem Tod Crawfords und wurde posthum in dem Sammelband "Wandering Ghosts" 1911 veröffentlicht. Offensichtlich war auch Hollywood der Meinung, daß man mit diesem Stoff Geld verdienen könne und brachte 1958 ein ziemlich billig gemachtes B-Movie gleichen Titels in die Kinos. Diese Verfilmung ist übrigens kürzlich in Deutschland auf DVD erschienen, hat jedoch, ganz im Gegensatz zum Hörspiel, mit der ursprünglichen Story beinahe nichts mehr gemein. Skriptautor Marc Gruppe hingegen bleibt, wie meist, auch hier relativ dicht an der literarischen Vorlage, ohne auf subtile Veränderungen zu verzichten. Beispielsweise wird Braddocks Gesprächspartner im Original weder genannt noch hat er Text. Da sich das komplette Geschehen nur im Haus abspielt, wäre der ohnehin schon stark ausgeprägte Kammerspielcharakter ohne diesen Kniff noch weiter in den Vordergrund gerückt. Die nun vorhandenen Dialoge mit James sorgen stattdessen für mehr Lebendigkeit. Daß sich die Spannung trotzdem in Grenzen hält, liegt vor allem daran, daß Gruppe auch die ursprüngliche Erzählstruktur übernommen hat. Genau wie in Crawfords Werk unterbricht sich der Kapitän selbst immer wieder, um dann den Faden erneut aufzunehmen. Hätte man auf diese ständige Rückfuhrung in die erzählerische Gegenwart verzichtet und stattdessen einfach die Ereignisse bis zu dem Gespräch hintereinander ablaufen lassen, gäbe es eine kontinuierlich ansteigende Spannungskurve. So aber wird jede aufkommende Dramatik relativiert, da man ja schon im Vorfeld weiß, daß zumindest dem Erzähler nichts passiert sein kann. Dementsprechend nimmt der Handlungsverlauf auch erst an Fahrt auf, als Braddock und James den Schädel gemeinsam untersuchen wollen und feststellen, daß dieser verschwunden ist. Da Titania nach eigenen Angaben nur noch lizenzfreie Werke vertont, kann man auch "The Screaming Skull" unter der folgenden Adresse im Internet nachlesen, (http://gaslight.mtroyal.ca/scremskl.htm) um sich selbst ein Bild der Unterschiede zu verschaffen.
Produktion und Regie von Stephan Bosenius und Marc Gruppe sind wieder bestens gelungen, denn jede Szene bekommt nicht nur ein eigenes akustisches Setting, sondern auch die zur Handlung passende musikalische Begleitung. Während man sich bei der Eröffnungsmusik noch an alte Horrorfilme aus den 1940er Jahren erinnert fühlt, sind es im nächsten Moment modernere Klänge, die für Atmosphäre sorgen. Natürlich bestimmt der Handlungsort die einsetzbaren Geräusche, und wenn die alte Standuhr tickt und das Feuer im Kamin knistert, während draußen der Regen an die Fenster prasselt und der Wind die Brandung an die Küste peitscht, hat der Hörer tasächlich schnell das Gefühl, in einem alten Landhaus am Meer zu sitzen.


Zu den Sprechern:
Wer meine Rezension zu dieser Reihe regelmäßig verfolgt, weiß, wie sehr ich die Sprecherauswahl bei Titania schätze, und dieses Hörspiel bildet da keine Ausnahme. Horst Naumann(Captain Charles Braddock), der gleichzeitig auch den Erzählerpart übernimmt, ist die perfekte Besetzung für die Rolle des alten, unerschrockenen Seebären, den dann aber doch noch das Grauen packt. Gleiches gilt für Rolf Berg(James), der, wie schon oben erwähnt, im Original gar keinen Text hat und so zumindest zu Beginn nur Stichwortgeber ist. Das ändert sich jedoch im Laufe des Hörspiels, und es ist schon ein wenig verstörend, wenn seine raue Stimme in Hysterie umkippt. Matthias Keller(Dr. Luke Pratt) spielt den beinahe boshaft zu nennenden, aggressiven Ehemann so glaubwürdig, daß man sich ernsthaft fragt, warum seine Frau, gespielt von Susanne Uhlen, auch nur noch eine einzige Minute bei ihm bleibt. Leider muss ich sagen, daß mich Susanne Uhlen(Emma Pratt) nicht wirklich überzeugen konnte. Das mag zum einen daran liegen, daß ihr Auftritt extrem kurz ausfällt und zum anderen daran, daß Crawford ihren Charakter ausgesprochen demütig angelegt hat, wodurch sie selbst bei den ungeheuerlichen Anschuldigungen ihres Mannes fast unbeteiligt wirkt. Bedauerlicherweise erfährt man nicht, wer die markerschütternden Schreie des Schädels ausstößt, aber ich vermute, es handelt sich dabei auch um Frau Uhlen.
Einen wesentlich größeren Part hat hingegen Patrick Wolff(Jim Trehearn) als örtlicher Totengräber, der den Garten des alten Kapitäns in Ordnung hält. Wolff gelingt es mit Hilfe seines langsamen, aber ausdruckstarken Sprechtempos, der Figur eine gewisse Bauernschläue zu verleihen. In weiteren kleinen Nebenrollen sind Janina Sachau und Julia Stoepel als fröhliche und unerschrockenen schottische Schwestern zu hören.


Fazit:
Eine Folge, die dem Hörer schon allein wegen dem titelgebenden schreienden Schädel im Gedächtnis bleiben wird.

Das Hörspiel Gruselkabinett - 64 - Der schreiende Schädel gibt es bei
Amazon.de
oder bei
POP.de
Keeper of the Monsters

Bild
Antworten

Zurück zu „Grusel-Hörspiele“