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Rezension: Gruselkabinett - 198 - Der schwarze Kater

Verfasst: Mi 07.10.2026, 14:07
von MonsterAsyl
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Gruselkabinett - 198 - Der schwarze Kater

Zum Inhalt:
Julian, ein im Krieg verletzter Soldat, wird von seinem Kameraden Pedro in einem Schloß untergebracht. Dort hat er ein prägendes Erlebnis, welches den Rest seines Lebens überschattet. Auch seine Heirat mit Morella, einer höchst ungewöhnlichen Frau, endet nicht mit deren tragischem Tod. Nachdem er sich schließlich erneut vermählt hat, verfällt er der Trunksucht, und das Grauen nimmt endgültig seinen Lauf.

Zur Produktion:
Dies ist nach Gruselkabinett 11, 46, 111, 127 und 139 bereits die sechste Vertonung von Geschichten des weltberühmten amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe (19.01.1809 - 07.10.1849), dessen außergewöhliches Werk auch heute noch seine Leser fasziniert. Für das vorliegende Hörspiel hat Skripautor Marc Gruppe insgesamt drei Geschichten ("Der schwarze Kater" (1843), "Morella (1835) und "Das ovale Portrait" (1842)) zu einer fortlaufenden Handlung vereint.
Die Eröffnungsworte stammen noch aus "Der schwarze Kater", dann geht es mit dem Anfang von "Morella" weiter, in den der komplette Inhalt von "Das ovale Portrait" eingebunden ist. Anschließend wird das Geschehen von "Morella" wieder aufgenommen, und als auch diese Erzählung beendet ist, folgt der Rest von "Der schwarze Kater".
Ich muss sagen, daß die Verbindung dieser drei doch sehr unterschiedlichen Kurzgeschichten besser funktioniert, als ich es mir hätte vorstellen können, zumal Gruppe auch in der Lage war, Poes Vorlagen beinahe unverändert zu übernehmen. Es gibt nur wenige kleine Abweichungen, die aber keinen Einfluß auf den Ablauf des Geschehens haben. So ist es hier Pedro und nicht Julian, der das ovale Portrait findet, und es gibt ein etwas längeres Ende, welches den Übergang zur nächsten Geschichte "Morella" erleichtert. Auch diese Geschichte hat Marc Gruppe beinahe eins zu eins übernommen, lediglich die Nennung von Morellas Krankheit (Tuberkolose) ist neu hinzugekommen. Daß im entscheidenden Augenblick nicht, wie bei Poe, ruhiges Wetter herrscht, sondern ein Gewitter aufzieht, dient lediglich zur Verstärkung der düsteren Stimmung. Die meisten Änderungen gibt es bei der dritten und letzten Geschichte "Der schwarze Kater". Neu ist beispielsweise, daß der Zimmerbrand dadurch entsteht, daß die Hauptfigur eine Lampe nach dem Kater wirft. Dafür hat der Skriptautor die Szene, in der die Katze verstümmelt wird, sowie die Überlegung, die Leiche zu zerstückeln, weggelassen. Das mag Puristen ein wenig stören, aber ich, als Katzenbesitzer, bin für Ersteres dankbar gewesen. Ebenfalls neu ist die Tatsache, daß die Polizisten bei der Durchsuchung direkt in den Keller gehen und nicht, wie bei Poe, erst erneut das ganze Haus auf den Kopf stellen. Um den Gruselfaktor wieder zu erhöhen, hat Gruppe im Gegenzug eine Erklärung für das blutrote Maul des Tieres gefunden, welche logisch, aber trotzdem ziemlich eklig ist. Zu erwähnen wäre noch, daß sämtliche Namen der Protagonisten, bis auf Morella, neu erfunden wurden, um die Dialogszenen natürlicher werden zu lassen.
Damit das Geschehen noch schauerlicher wirkt, haben die Produzenten und Regisseure Stephan Bosenius und Marc Gruppe auch in den Breichen Musik und Geräusche einmal mehr alles aufgefahren, was dazu nötig ist. Für die Musik kommt vor allem der Synthesizer zum Einsatz, aber klassische Instrumente wie Geige, Klavier und Flöte sind ebenso zu hören. Einige der Stücke werden sogar orchestral eingespielt, und es ertönt hin und wieder ein unheimlich klingender Choral. Die Melodien alternieren zwischen treibend und tragend, sowie lieblich und fröhlich, während der Synthesizer vor allem für düstere, sphärische Sounds verwendet wird. Besonders gut gefallen hat mir die Kakophonie, mit der jeweils die Handlung der einzelnen Erzählungen abgeschlossen wird, bevor es mit der Hauptgeschichte weitergeht, bis dann auch diese mit der gleichen Disharmonie endet.
Die hier verwendeten Geräusche sind so zahlreich, daß es unmöglich ist, sie alle aufzuzählen. Neben den zu erwartenden Tönen wie pfeifendem und heulendem Wind, knarrenden Möbeln, der Kirchenglocke, dem Vogelgezwitscher, dem Insektenzirpen und den quietschenden Türen, sind es vor allem die kleinen, unscheinbaren Laute, die mich begeistert haben. Dazu zählen das Kratzen der Feder auf Papier, das Zuziehen der Vorhänge, die Pinselstriche auf der Leinwand, das Säubern des Pinsels im Wasserglas oder das Scharren der Grabplatte. Akustische Highlights sind aber das matschig klingende Geräusch bei der Geburt, die Feuersbrunst und das unartikulierte Schluchzen und Heulen hinter der Wand, bevor diese hörbar eingeschlagen wird.
Bei den Effekten ist der Hall vorherrschend. Im Kerker hört man ihn deutlich, um dessen Gewölbecharakter hervorzuheben, im Schloß dagegen hallt es nur leicht, was aber die Größe des Gebäudes ebenfalls adäquat vermittelt. Gleiches gilt für die Szene in der Kirche. Am wirkungsvollsten eingesetzt wird der Effekt aber bei Morellas dämonischem Gelächter und der langgezogenen Nennung ihres Namens. Neben dem Hall sorgt noch ein unheimliches Gemurmel und Geflüster, welches gelegentlich ertönt, für zusätzliche Gänsehautmomente.

Zu den Sprechern:
Sprecherische Highlight ist für mich hier ganz klar Christoph Jablonka(Julian), der auch den Part des Erzählers übernimmt. Großartig, wie breit gefächert sein Spiel ausfällt und wie er wirklich in jeder Situation überzeugen kann. Egal, ob er seiner Verzweiflung, seinem Entsetzen oder dem beginnenden Wahnsinn Ausdruck verleiht, als Hörer spürt man förmlich seine Seelenqual. Entsprechend drastisch fällt jedesmal der Kontrast aus, wenn er sich liebevoll seinem Kind, seiner Frau oder dem Kater gegenüber verhält. Der Höhepunkt seiner Darstellung ist für mich der schrittweise Verfall, der mit der Trunksucht seiner Figur einhergeht, dann der aufkommende Irrsinn, welcher erst nur dezent angedeutet wird, um schließlich in offener Raserei zu gipfeln. Mit dieser Performance hat sich Jablonka für mich innerhalb der Gruselkabinett-Reihe ein regelrechts Denkmal gesetzt. Ebenfalls sehr überzeugend spielt auch Daniela Bette(Morella) ihre Rolle als intelligente, philosophierende Ehefrau, die um jeden Preis geliebt werden will und ihren Gatten mal neckt, mal tadelt. Ihre Sterbeszene ist überaus beeindruckend, und ihr dämonisches Lachen aus dem Off erzeugt sofort eine Gänsehaut. Marlene Bosenius(Tochter) kommt hier sozusagen zweimal zum Einsatz. Erst als schreiendes Baby und dann als neugieriges Mädchen, welches sich um seinen Vater sorgt. Die heiser wirkende Stimme von Bodo Primus(Priester) eignet sich hervorragend für den Part des erfreuten Geistlichen, der, nachdem er sich von seiner Überraschung erholt hat, sofort nach einem Arzt schicken lässt.Ebenso gelungen ist die Besetzung von Julian Tennstedt(Pedro) als fürsorglicher, hilfsbereitet Soldat, der nur das Wohl seines Vorgesetzten im Auge hat. Janina Sachau(Elaine) macht viel Spaß als lebensfrohe junge Frau, die vergeblich versucht, gegen die "Malsucht" ihres geliebten Ehemanns zu kämpfen, um dann, trotz ihres Unbehagens, für ihn Modell zu stehen. Michael-Che Koch(Gustave) leistet ganze Arbeit als vom Malen besessener Künstler, der seine Frau zwar sehr begehrt, gleichzeitig aber bereit ist, sie seiner Arbeit zu opfern. Sigrid Burkholder(Ellen) spielt Julians zweite Frau, die trotz aller Widrigkeiten zu ihrem heruntergekommen Mann hält. Bodo Primus(Polizist) und Marc Gruppe(Polizist) sind die beiden höflichen, entschlossenen Ordnungshüter, die ihr Fund hörbar anwidert.

Fazit:
Beinahe 84 minütiges Gruselfest, welches die Herzen der Freunde des gepflegten Grauens schneller schlagen lässt.

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